Das Ortszentrum von Kreischa wird schon seit etwa 1580 von dem Gebäude des heutigen “Café Lehmann“ geprägt. Anfangs war hier möglicherweise eine kleine Bauernwirtschaft. 1902 gründete Otto Lehmann neben der damals in diesem Haus befindlichen Buchdruckerei Luckner eine kleine Konditorei. In den darauf folgenden Jahren baute er das Haus zu einem Café mit Weinausschank um und eröffnete es Pfingsten 1906, 3 Monate nach der Eröffnungsfahrt der Lockwitztalbahn. Mit seiner Hausbäckerei und dem feinen Weinsortiment wurde es zu einem renommierten Lokal und durfte sich „Erstes Haus am Platz“ nennen.
Hier trafen sich die Badegäste und auch die Honoratioren der Gemeinde zum Stammtisch.
Stück für Stück erweiterte er das Café. Es war das erste Kreischaer Lokal mit Strom und Wasserklosett. Für damalige Verhältnisse ein Luxus. Otto Lehmann starb 1941 und sein Sohn Fritz, der lieber Elektriker werden wollte, übernahm das Lokal. Trotzdem kam bei Fritz die Elektrikerleidenschaft durch. So bekam das Café ein elektrisches Klavier, Weinranken mit Beleuchtung als Dekoration in den Fenstern und im Eisgarten wurden Klingeln angebracht. 1945 wurde es kurzeitig geschlossen und diente als Quartier für die Soldaten, die auf Stroh in den Gasträumen übernachteten.
Zu DDR-Zeiten blieb das Café weiter im Familienbesitz. 1952 wurde die Konditorei aus steuerlichen Gründen geschlossen. Doch das Lokal war wie eh und je gut besucht. Erst waren die Wismutkumpel hier und danach kehrten viele Spitzensportler ein, die sich nach anstrengenden Wettkämpfen im Kreischaer Sanatorium erholten. 1968 übernahm die Tochter von Fritz Lehmann, Ingeborg Förster, das Geschäft und führte es bis 1988.
Im Februar 1999 eröffneten István Titrik, mit seiner Frau Gisela
und Kindern, das „neue“ Café Lehmann mit Restaurant.
Durch sie zog somit auch ein Hauch von Ungarn
in diese alt ehrwürdigen Gemäuer ein und belebte das berühmte Café zunehmend. István Titrik kam 1972 aus Pannonhalma,
Nähe von Györ, nach Dresden. Er heiratete später in Sachsen ein und verwirklichte mit diesem Restaurant einen Traum.
Leider haben unsere Vorgänger das Lokal teilweise unsanft behandelt
und somit ging viel von dem originalen Inventar verloren.
Heute erinnern nur noch die Bleiglasmotive in den Fenstern und Seitenwänden an das alte Jugendstilcafé. Durch unsere Sammelleidenschaft haben wir über viele Jahre historische Gegenstände zusammen getragen und mit unserer Neugier so einiges Altes wieder frei gelegt. Und mit passender Musik und ansprechendem Service haben wir versucht das historische Ambiente neu zu beleben.
Im August 2018 übernahm Sohn Christof Titrik die Leitung des Lokals
und führt dieses Familienunternehmen voller Stolz weiter.
Wir hoffen, daß es mit der Kombination aus Weinstube, Restaurant mit gut bürgerlicher Küche und Café uns gelungen ist, dem traditionsreichen Haus gerecht zu werden.